| Ich hab
Weihnachten 2000 das Buch "Die Wahrheit beginnt zu zweit, das
Paar
im Gespräch" von Michael Lukas Moeller geschenkt bekommen. Es
ist
eine
Art Anleitung zu einer bestimmt Art von Gespräch, dem
Zwiegespräch. Das ganze funktioniert so: Man setzt sich 1 mal pro Woche für 1 1/2 Stunden zusammen- man sollte völlig ungestört sein (Telefon abdrehen)- und redet über sein Erleben (wie erlebe ich mich selbst, wie erlebe ich die Beziehung, wie erlebe ich meine Umwelt). Das Wort ich ist also wichtig (nicht wir), ich bleibe voll und ganz bei mir (wenn ich selbst rede, natürlich bin ich beim Zuhören schon bei meinem Partner). Es gibt noch ein paar Regeln: man darf keine Fragen stellen (ausgenommen:" ich hab dich akustisch nicht verstanden" ), so erzählt man wirklich nur so weit wie man will und wird dabei auch nicht gestört. Das Gespräch soll nicht länger oder kürzer als 1 1/2 Stunden dauern. Es sollte nicht ausgelassen werden, weil man gerade soviel zu tun hat, oder beide keine Lust dazu haben. Beide haben gleich viel Zeit zu sprechen oder auch nur zum Nachdenken oder Schweigen (z.b. kann man sich abwechseln und immer eine viertel Stunde lang ist der eine dran, dann der andere) Ja anfangs, wie ich das Buch bekommen habe, hab ich mir gedacht, das brauchen wir nicht, wir reden doch eh sehr viel miteinander (was gestimmt hat, aber halt anders). Und Regel unterwerfe ich mich auch nicht gern. Gelesen haben wir's trotzdem beide (zwar sehr interessant, aber ein bisschen mühsam zu lesen, hab ich gefunden) und wir beschlossen es nach einem Urlaub im August 2001 auszuprobieren. Angst hatte ich schon: Ich hab gelesen, dass sich einige Paare durch die Zwiegespräche getrennt haben, weil sie festgestellt haben, dass sie nicht zusammen passen. Aber ich dachte auch: gut wenn wir feststellen, dass es nicht passt (wir waren damals 2 1/2 Jahre zusammen), dann ist es besser wir trennen uns jetzt in Frieden und im Gespräch, als später, wenn wir vielleicht schon verheiratet sind und/oder Kinder haben. Es war gut so, wir machen noch heute Zwiegespräche und bleiben hoffentlich ein Leben lang dabei. Am Anfang dachte ich mir Zwiegespräche sind so einen Art Beschwerdetreffpunkt oder Problemlöseabend, wo man sich trifft und in Frieden über das redet, was nicht passt und es dann klärt- nein das sind sie nicht. Sicherlich lösen sich manche Probleme, wenn man drüber redet- vor allem weil ich oft erkenne, wo denn eigentlich das Problem liegt, was mich eigentlich wirklich belastet, aber vor allem lerne ich mich bei den Zwiegesprächen besser kennen. Vor allem im ersten halben Jahr war’s sehr interessant, ich hab geredet (oder besser gesagt mein Unterbewusstsein) und mein Bewusstsein hat zugehört. Ich hab also vor allem mich selbst besser kennen gelernt. Es war schön, aber auch schwer, unkommentiert zu sprechen. Ich muss mich nicht rechtfertigen für meine Gefühle und ich muss auch nicht auf das reagieren, was mein Partner sagt. Und ich rede beim Zwiegespräch nicht nur über das, was mich belastet, sondern auch über Dinge, die mich besonders freuen. Ich hab gelernt, dass die Gefühle meines Freundes seine bleiben können und ich zum selben Thema ganz andere haben kann. Wenn er ein Problem hat, muss es deswegen nicht für mich zum Problem werden. Viele der Regeln hab ich am Anfang nicht verstanden, erst als wir sie (unabsichtlich) gebrochen haben, hab ich gemerkt, dass ich verletzt war oder wütend würde. Die Gespräche waren in den letzen 2 Jahren sehr unterschiedlich, mal sehr spannend, es gab auch sehr verletzende - und prompt hab ich aufs nächste Zwiegespräch fast vergessen, und sonst vergesse ich Termine fast nie- es gab auch langweilige und ich bin auch schon mal eingeschlafen bei einem Zwiegespräch. Ich bin froh, dass wir diese Form von Gespräch für uns gefunden haben. |