Auseinandersetzung
last update Juni 2007

was es mir bedeutet: die Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Umgebung ist mir sehr wichtig, vielleicht sogar so wichtig, dass mir manchmal ein bisschen Oberflächlichkeit nicht schaden würde, aber hätte ich mich nicht mit mir selbst auseinandergesetzt, wär mir das wohl nicht bewusst :-)
was früher war: Ich bin gottseidank nicht in einem streng katholische Umfeld aufgewachsen, trotzdem ist meine Jugend durch christliche Gemeinschaften geprägt worden. So war ich in der Jungschar lange Zeit aktiv und habe den Großteil meiner Freunde in der Pfarrjugend kennengelernt. Zwar hab ich heute sehr wenig Zugang zur Kirche, doch damals war's für mich eine gute Möglichkeit mich mit mir selbst auseinanderzusetzen und über Gott und die Welt zu diskutieren.
was immer noch ist: ich diskutiere immer noch gerne, und so haben Werner und ich im September 2001 eine Diskussionsrunde ins Leben gerufen, wir treffen uns immer noch alle ein bis zwei Monate, dz. mit "spontaner Themenwahl"
Zwiegespräche
: auch Werner und ich geben uns genug Stoff für Ausseinandersetzung. Von 2001 bis 2006 haben wir fast wöchentlich Zwiegespräche geführt, hier meine Erfahrungen darüber, die ich im November 2003 aufgeschrieben habe:


Ich hab Weihnachten 2000 das Buch "Die Wahrheit beginnt zu zweit, das Paar im Gespräch" von Michael Lukas Moeller geschenkt bekommen. Es ist eine Art Anleitung zu einer bestimmt Art von Gespräch, dem Zwiegespräch.
Das ganze funktioniert so: Man setzt sich 1 mal pro Woche für 1 1/2 Stunden zusammen- man sollte völlig ungestört sein (Telefon abdrehen)- und redet über sein Erleben (wie erlebe ich mich selbst, wie erlebe ich die Beziehung, wie erlebe ich meine Umwelt). Das Wort ich ist also wichtig (nicht wir), ich bleibe voll und ganz bei mir (wenn ich selbst rede, natürlich bin ich beim Zuhören schon bei meinem Partner).

Es gibt noch ein paar Regeln: man darf keine Fragen stellen (ausgenommen:" ich hab dich akustisch nicht verstanden" ), so erzählt man wirklich nur so weit wie man will und wird dabei auch nicht gestört.
Das Gespräch soll nicht länger oder kürzer als 1 1/2 Stunden dauern.
Es sollte nicht ausgelassen werden, weil man gerade soviel zu tun hat, oder beide keine Lust dazu haben.
Beide haben gleich viel Zeit zu sprechen oder auch nur zum Nachdenken oder Schweigen (z.b. kann man sich abwechseln und immer eine viertel Stunde lang ist der eine dran, dann der andere)

Ja anfangs, wie ich das Buch bekommen habe, hab ich mir gedacht, das brauchen wir nicht, wir reden doch eh sehr viel miteinander (was gestimmt hat, aber halt anders). Und Regel unterwerfe ich mich auch nicht gern.
Gelesen haben wir's trotzdem beide (zwar sehr interessant, aber ein bisschen mühsam zu lesen, hab ich gefunden) und wir beschlossen es nach einem Urlaub im August 2001 auszuprobieren. Angst hatte ich schon: Ich hab gelesen, dass sich einige Paare durch die Zwiegespräche getrennt haben, weil sie festgestellt haben, dass sie nicht zusammen passen.
Aber ich dachte auch: gut wenn wir feststellen, dass es nicht passt (wir waren damals 2 1/2 Jahre zusammen), dann ist es besser wir trennen uns jetzt in Frieden und im Gespräch, als später, wenn wir vielleicht schon verheiratet sind und/oder Kinder haben.

Es war gut so, wir machen noch heute Zwiegespräche und bleiben hoffentlich ein Leben lang dabei.
Am Anfang dachte ich mir Zwiegespräche sind so einen Art Beschwerdetreffpunkt oder Problemlöseabend, wo man sich trifft und in Frieden über das redet, was nicht passt und es dann klärt- nein das sind sie nicht.
Sicherlich lösen sich manche Probleme, wenn man drüber redet- vor allem weil ich oft erkenne, wo denn eigentlich das Problem liegt, was mich eigentlich wirklich belastet, aber vor allem lerne ich mich bei den Zwiegesprächen besser kennen. Vor allem im ersten halben Jahr war’s sehr interessant, ich hab geredet (oder besser gesagt mein Unterbewusstsein) und mein Bewusstsein hat zugehört. Ich hab also vor allem mich selbst besser kennen gelernt. Es war schön, aber auch schwer, unkommentiert zu sprechen. Ich muss mich nicht rechtfertigen für meine Gefühle und ich muss auch nicht auf das reagieren, was mein Partner sagt. Und ich rede beim Zwiegespräch nicht nur über das, was mich belastet, sondern auch über Dinge, die mich besonders freuen.

Ich hab gelernt, dass die Gefühle meines Freundes seine bleiben können und ich zum selben Thema ganz andere haben kann. Wenn er ein Problem hat, muss es deswegen nicht für mich zum Problem werden.
Viele der Regeln hab ich am Anfang nicht verstanden, erst als wir sie (unabsichtlich) gebrochen haben, hab ich gemerkt, dass ich verletzt war oder wütend würde.

Die Gespräche waren in den letzen 2 Jahren sehr unterschiedlich, mal sehr spannend, es gab auch sehr verletzende - und prompt hab ich aufs nächste Zwiegespräch fast vergessen, und sonst vergesse ich Termine fast nie- es gab auch langweilige und ich bin auch schon mal eingeschlafen bei einem Zwiegespräch.

Ich bin froh, dass wir diese Form von Gespräch für uns gefunden haben.

aktuelles  Werner und ich haben uns verändert und so auch die Form unserer Gespräche, wir versuchen spontaner zu sein, was uns gut tut, d.h. dass wir zur Zeit auch wieder Fragen stellen, die Gespräche werden wieder mehr zum Dialog, als zum Monolog. Ich glaube, dass es uns sehr gut getan hat, mit der ursprünglichen Form des Zwiegesprächs zu beginnen, jetzt aber das Direktere für uns wichtiger ist.
Außerdem setzte ich mich seit 2005 sehr intensiv mit mir selbst auseinander, unter anderem mit Hilfe von voice dialogue, einem sehr spannenden Ansatz der Psyche, in der man davon ausgeht, dass in einem selbst eine ganze Gesellschaft an inneren Personen leben, die sehr unterschiedliche Arten zu leben haben.
Auseinandersetzung beim Lesen (Achtung nicht nur tiefgreifende Literatur :-) )
Artho S. Wittemann:Die Intelligenz der Psyche (genaueres über voice dialogue)
Natalie Angier: Frau.. Eine intime Geographie des weiblichen Körpers
Jean Liedloff: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück (eine Amerikanerin, die mit Indianern gelebt hat und u.a. von deren "Erziehungsmethoden" gelernt hat- wirklich interessante Aspekte)
Andreas Eschbach: Das Jesus Video,  Eine Billion Dollar
Michael Lukas Moeller: Die Wahrheit beginnt zu zweit, das Paar im Gespräch; Worte der Liebe, erotische Zwiegespräche

E.Raith/P.Frankl/G.Freundl: Natürliche Familienplanung heute (ein Buch über effektive Empfängnisverhütung ohne Hormone oder Plastik)
Thomas Gordon: Familienkonferenz (ein Buch über Konfliktlösung zwischen Eltern und Kindern, teilweise auch auf andere Beziehungen übertragbar, finde ich), Patientenkonferenz
Hoffmann Corinne: Die weiße Massai (eine Schweizerin, die sich in Kenia in einen Massai verliebt und dort mit ihm gemeinsam lebt, beschreibt ihre Geschichte), Zurück aus Afrika, Wiedersehen in Barsaloi (2.und 3 Band)
Jostein Gaardner (Philosophisches in nette Geschichten verpackt)
Catherine Clement: Theos Reise
François Lelord: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück, Hector und die Geheimnisse der Liebe
Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit
James Redfield: Die Prophezeiungen von Celestine, Die zehnte Prophezeiung von Celestine
Noah Gorden: der Medicus, der Schamane, die Erben des Medicus, der Medicus von Saragossa, der Rabbi
Ingrid Noll (schreibt tolle Mordgeschichten, Achtung: eher männerfeindlich)
Patrik Süsskind (v.a „das Parfum“ hab ich genial gefunden, auch super geeignet zum Vorlesen)
Nick Horbey: about a boy
J.K.Rowling: Harry Potter (Band 1-5,  hier kann man lesen, was all die Namen in den ersten 4 Bänden bedeuten)
Eugen Ionesco (leider schon lang nichts mehr von ihm gelesen, aber „die Nashörner“ haben mich begeistert.)
Paulo Coelho: Am Ufer des Rio Piedra saß ich und weinte, Auf dem Jakobsweg, der Alchimist
Leon de Winter: Malibu
Erich Fried (das Lesen seiner Gedichte hat mich vielleicht veranlasst selbst welche zu schreiben, siehe auch schreiben)
Hakan Nesser (spannende Krimis, die einem oft auch in die Persönlichkeit des Mörders hineinblicken lassen)